Eberplage in Eberbach

Eberplage in Eberbach?

Eberbach liebt sein Wappentier … oder doch nicht?

Eberplage in Eberbach? »Derzeit explodiert der Bestand an Wildschweinen«, melden viele Jagdpächter nicht nur aus aus unserer Region. Man werde der Lage nicht mehr Herr, klagen Betroffene und prangern eine verfehlte Politik an. Das Jagdgesetz sei zu streng, Wildschweine seien ohnehin schwer zu jagen, in der zweimonatigen Jagdruhe mit ihren Einschränkungen gar nicht. Wegen der mittlerweile massiven und sehr teuren Schäden müsse die Landespolitik handeln. Jäger sehen ein Problem im weit verbreiteten Maisanbau, der Wildschweinen die Nahrungssuche erleichtert. Und wo Ortschaften bis an den Waldrand gebaut werden, werden die Schwarzkittel auch dort nach Nahrung suchen. (Auszüge aus SWR Interview mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk) Die regionale Presse hat viel zu berichten. Kaum ein Tag vergeht ohne Schadensmeldungen durch Wildschweine.

Wieviele Wildschweine sich in Deutschland rumtreiben, weiß offensichtlich keiner genau. Aktuelle Zahlen belegen eine Abschusszahl von 610.631 Schwarzkitteln. Ohne Jagd können Wildschweine ihren Bestand in Deutschland jährlich verdreifachen. Vielleicht ist ja ein Eberbacher Jäger bereit dem Eberclub-Magazin aktuelle Bestände für unsere nächste Ausgabe zu senden?

Eberplage in Eberbach

Eberplage in Eberbach?

Sie wollen doch nur fressen. Und dabei werden sie immer zahlreicher, immer schlauer, immer mutiger, berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung. Die Schäden auf öffentlichen und privaten Grund sind gewaltig. Liebevoll angelegte Gärten sind in wenigen Stunden verwüstet. Verkehrsinseln und öffentliche Anlagen zerstört. Angelegte Rasenflächen gleichen nach Wildschweinüberfällen einem aufgepflügten Acker. Und selbst vor dem Friedhof wird nicht halt gemacht. Woher soll die Sau das auch wissen? So schlau ist sie nun doch nicht. Was sie aber weiß: Sie benötigt insbesondere vor Wintereinbruch viel Eiweiß und viel »pflanzliches«. Und gelegentlich auch mal eine Maus. Alles ist schließlich reichlich vorhanden in unserer Eberstadt. Liebe Touristen: Die Maus ist damit natürlich nicht gemeint. Aber auf unsere schön bepflanzte Promenade, unsere gepflegten Rasenanlagen und die vielen privaten Gärten können wir stolz sein!

Leider kommen aber viele Grundstückseigner in die Versuchung ihre Privatsphäre deutlich gegen die Wildschweine abzusichern. Nicht, dass sie etwas gegen den Eber haben, er ist ja nunmal unser geliebtes Wappentier. Eberplage in Eberbach hin oder her.

Eberplage in Eberbach?

Du kommst hier net rein!

Da hat die Familie Ebba ganz in der Nähe des Eberbacher Friedhofes in der Eberstraße 3 ein hübsches Grundstück mit schmucken Haus. Nachbarschaftliche Freundschaft mit Nr. 5 wird gepflegt. Die Kinder spielen zusammen im Garten, gelegentlich wird gemeinsam gegrillt. Vorzugsweise Wildschweinrücken. Und kein Zaun verhindert den ungehinderten Zugang zum geschätzten Nachbarn.

Sie wissen schon was jetzt kommt?

Eines Tages wird der naheliegende Friedhof von einer Rotte Wildschweinen verwüstet. Alle sind empört und die Aufregung ist groß. Verständlich! »Da muss doch die Stadt etwas unternehmen.« Der Eber-Meister im Rathaus reagiert sehr schnell und alle freuen sich. Nach einigen erfolglosen Maßnahmen wird ein dicker, fetter Zaun an den »Schwachstellen« des Friedhofes errichtet. Keine Kosten werden gescheut, der Friedhof wird sausicher gemacht. Nun hat das Wappentier das Nachsehen, alle Bürger sind zufrieden und die Wildschweine sind stinksauer, weil die begehrten Engerlinge nun hinter einer dicken Wand unerreichbar sind.

»Allein in Bayern gab es 2015 263.000 Unfälle mit Wildschweinen« (Quelle: Jagdverband)

Jetzt müssen sie woanders ihren Hunger stillen. Chef-Bache Mina hat aber schon die Lösung: Ganz in der Nähe, in der Eberstraße 3, wurde der Rasen gerade neu angelegt. Erfahrungsgemäß finden sich dort zahlreiche Leckereien zur Verstärkung des Winterspecks. Die ganze Saufamilie macht sich auf den kurzen Weg und schon in einer Nacht sind alle Frischlinge wieder satt. Frau Ebba ist entsetzt und ruft im Rathaus an:

»Unser Garten (und auch der vom Nachbarn) ist seit heute morgen ein Schlachtfeld! Die Blumenbeete sind weg und der kleine Gartenteich ist voll mit Schlamm. Alle Fische schwimmen verkehrt herum und unser Gewächshaus hat ein großes Loch. Wir sind ganz sicher, dass dies die Wildschweine vom Friedhof waren und Sie sollten etwas unternehmen!«

»Die Jägerschaft muss eine großräumige Reduktion des Schwarzwildes wollen. Das ist in der Regel nicht gegeben« (Quelle: Christoph Stubbe, Jagdwissenschaftler)

Nach einer freundlichen, korrekten aber bestimmten Aufklärung des zuständigen Beamten versteht Frau Ebba warum sich Wildschweine Wildschweine nennen. Für Wild ist niemand zuständig und der Stadt sind die Hände gebunden. Der Jäger darf dort nicht schießen weil es »befriedetes« Gebiet ist. Das ist einfach zu gefährlich. Die Stadt empiehlt in solchen Fällen die Erstellung von starken, wildschweinsicheren Zäunen wie auf dem Friedhof. Hier zeigt die Erfahrung, dass die Wildschweine sich dann umgehend andere Fressplätze suchen.

Ein Zaun soll her

Also gut! Dachdem nun keiner zuständig ist und auch die Versicherungen ihre Hilfe verweigern entschließt sich Familie Ebba für einen Zaun. Ein hilfreiches Unternehmen nimmt den Auftrag ohne Garantie gerne an. Soweit man Zeit findet. Nach drei weiteren nächtlichen Wildschweinüberfällen – offensichtlich sind auch in verwüsteten Gärten immer noch Engerling-Restbestände – haben die Kinder Gartenverbot. Und das nachbarschaftliche Verhältnis ist wegen dem provisorischen Stacheldraht und den hellen Bewegungsmeldern etwas getrübt.

Ein Vorteil hat es ja: Vater Ebba kommt jetzt nicht mehr so spät nach Hause. Die letzte nächtliche Begegnung mit einem »etwas aggressiven« Keiler hat ihn doch etwas nachdenklich gestimmt. Der Keiler wollte mit seiner Familie auf keinen Fall auf sein Abendessen im Garten verzichten. Da er gelegentlich auch sehr früh zur Arbeit muss, hat er sich vorsorglich eine Pfefferspraydose zugelegt. Von deren Einsatz gegen hungrige Keiler möchten wir aus Erfahrung aber dringlichst abraten.

»Ohne Jagd würde sich die Population pro Jahr verdreifachen! Für die Landwirtschaft wäre das
das Ende« (Quelle: Hannoversche Allgemeine, Jagdverband)

Die Betonpumpe macht etwas stutzig

Monate später kommt endlich der Zaun. Die Betonpumpe macht etwas stutzig aber das erfahrene Unternehmen beteuert, dass die Pfähle unbedingt etwa 30-50 cm in die Erde gelegt werden müssen. Das sollte einem die Sicherheit schon Wert sein. Halbe Lösungen machen sie nicht. Und Garantie gegen Wildschweine geben sie auch nicht. Ist ja auch verständlich. Schließlich ist es ein Eberbacher Unternehmen.

Nach Wochen ist der Zaun endlich fertig und Garten und Haus sind gesichert. Zugegeben, dass Grundstück sieht jetzt aus wie eine Festung (oder ein Gefängnis?) und die nachbarschaftlichen Beziehungen nähern sich dem Ende. Die Kosten sprengen das Budget und die nächsten Urlaube werden wohl ausfallen. Aber: Die Schweine kommen nicht mehr! (Wir meinen die Wildschweine)

Ein neues »Fressfeld«

Diese haben natürlich schlagartig die Situation erkannt und nach der Erfahrung mit dem Friedhof und einigen Durchbruchversuchen umgehend ein neues »Fressfeld« beim Nachbarn auf Nummer 5 gefunden. Schließlich ist dort noch alles frisch. Und der vorhandene Zaun einfach lächerlich und unprofessionell.

Die Geschichte der Familie Ebba wird noch weitergehen. Eberclub macht aber an dieser Stelle erst einmal Schluss und verweist auf eine Fortsetzung im Magazin und Webseite. Soviel vorab: Ebbas sind mit Ihren Nachbarn vollständig zerstritten.

Nachdem auch das Nachbargrundstück wiederholt von Wildschweinen umgepflügt wurde, lässt die Familie von der Eberstaße Nr. 5 ebenfalls einen Zaun errichten. Sie hofft auf das Ausweichen der Wildschweine auf öffentlichen Grund. Hier werden die Schäden und Kosten ja vom Steuerzahler übernommen. Ob wohl alles gut geht?